Drei Wochen im September auf den Azoren bedeuten: sattes Grün, Hortensien, wechselhaftes Wetter und das Gefühl, ständig am Rand des Atlantiks zu stehen. Wir ziehen von Insel zu Insel und nehmen 5 der insgesamt 9 Inseln mit - von Flores über Terceira, Pico und Faial bis nach São Miguel - und entdecken eine Welt aus Vulkanlandschaften, Kraterseen, Steilküsten und kleinen Orten. Sonne, Wind und Wolken wechseln sich oft ab, doch genau diese Unberechenbarkeit macht den Reiz der Azoren aus. Eine Reise voller Natur, Bewegung und stiller Momente mitten im Ozean
Flores zeigt sich von seiner besten Seite: vier Tage Sonnenschein, klare Sicht und nur die ersten Tage kräftiger Wind, der uns durchpustet und das Meer ordentlich aufwühlt. Wir wandern zu abgelegenen Stränden und versteckten Wasserfällen, nehmen einen Kratersee nach dem anderen mit und stehen immer wieder staunend vor dieser unglaublich grünen Insel. Wege führen durch üppige Landschaften, der Atlantik ist nie weit weg und vieles fühlt sich angenehm unberührt an. Flores ist wild, ursprünglich und überraschend ruhig - und wir mittendrin.
Terceira ist definitiv lebendiger als Flores - die Insel wirkt offener und urbaner, ohne aber ihren vulkanischen Charakter zu verlieren, was sich vor allem unter der Oberfläche zeigt: In der Gruta do Natal steigen wir einen Lavatunnel hinab und erleben Terceiras vulkanischen Ursprung hautnah. In Angra do Heroismo hingegen pulsiert das Herz der Insel: wir schlendern durch historische Gassen, vorbei an farbigen Häusern, kleinen Plätzen und dem Hafen - eine Stadt, die zum Verweilen einlädt. Wir sind unterwegs zwischen Küste, Caldeiras und Aussichtspunkten - immer begleitet von den kleinen Heilig-Geist-Tempeln, die über die ganze Insel verteilt sind - schlicht, farbig und typisch azorisch.
Kleine Insel, noch kleineres Flugzeug und die Flugzeit ist auch nicht wirklich lang...nach knapp 30 Minuten erreichen wir Pico und starten auch hier mit einem mittlerweile bewährten Reisetrick: Ich warte auf das Gepäck, während Susan schon das Mietauto holt - usgfuxt wie mir sind! Die Unterkunft, Pocinho Bay, ist super.....auch wenn uns Nachts die Gelbschnabel-Sturmtaucher wach halten (siehe bzw. höre Video).
Das Wetter (ja, isch halt äs Duurthema uf däne Inslene) spielt die nächsten 5 Tage sein eigenes Spiel: oben im Hochland Nebel und feiner Nieselregen, ein paar Kurven weiter Richtung Küste oder einfach etwas Geduld und ein paar Minuten später wieder Sonne pur. Wir sammeln Seen wie andere Briefmarken, wandern entlang der Küste über scharfkantige Lavafelder (die Schuhsohlen sehen entsprechend aus danach) und spazieren durch das UNESCO Weinanbaugebiet. Den höchsten Berg Portugals "Pico" haben wir immer im Blick (ist ja praktisch auch mittig auf der Insel platziert) und er zeigt sich uns unerwartet oft wolkenfrei. Pico ist rau, schön und macht jeden Tag aufs Neue Spass!
Faial startet mit einer kleinen Mutprobe: Die Überfahrt erfolgt in einer Personenfähre, die eher einem alten Fischkutter in Nussschalengrösse ähnelt und da hilft das garstige Wetter mit Regen, Wind und ordentlichem Wellengang nicht wirklich zur Beruhigung. Aber wir kommen heil in Horta an und spätestens am Abend, als der Regen aufhört, scheint die Insel zu sagen: War nur ein Test - ab jetzt gibt's wieder Sonne!
Die Caldeira bleibt geheimnisvoll im dichten Nebel, so dass wir nur einen Teil der Rundwanderung machen können. Umso mehr überrascht und begeistert uns die karge, fast unwirkliche Landschaft rund um den Vulcão dos Capelinhos (ein Meeresvulkan hat dieses Neuland 1957/58 geschaffen und viele Portugiesen zur Flucht und Auswanderung u.a. nach Amerika veranlasst). Zusammen mit den Natural Pools in Varadouró und dem lebendigen Hafen von Horta (hier macht jeder Segler auf dem Weg zur Atlantiküberquerung Halt) zeigt Faial viele Gesichter - rau beim Ankommen, eindrucksvoll beim Bleiben.
São Miguel liebt Drama – und wir spielen mit. Sonne, Nebel und Nieselregen wechseln sich munter ab, aber mit etwas Geduld lohnt sich das Warten meistens. Wir teilen die grösste Azoren-Insel fair auf: zwei Nächte in Furnas im Osten, zwei Nächte in Ginetes im Westen.
In Furnas dampft es aus allen Ecken, wir baden unter dem Sternenhimmel im Thermalbad Poça da Dona Beija, spazieren durch den Parque Terra Nostra und wandern auch hier wieder zum einen oder anderen schönen Wasserfall.
Die Azoren können vieles - aber vor allem eins: überraschen. Wir hättens nicht gedacht, aber jede Insel hat ihren eigenen Charakter, ihr eigenes aber überraschend schönes Wetter und ihren ganz speziellen Reiz. Unser Ranking ist darum weniger ein "besser oder schlechter", sondern eher ein "passt perfekt zu uns - oder halt weniger".
🥇 1. Rang - Flores - die Wilde mit Wow-Effekt
Flores ist Natur pur. Grün, ruhig, spektakulär und herrlich unaufgeregt. Das Gefühl, am Ende der Welt gelandet zu sein hat uns die ganzen 4 Tage begleitet.
Pro: Naturkino ohne Publikum
Contra: Wind hat hier Mitspracherecht
🥈 2. Rang - Pico - die Majestätische mit Stil
Lava, Küste, Wein und immer dieser mächtige Vulkan im Blick.
Pro: Abwechslungsreich, spektakulär und nie langweilig
Contra: Schuhsohlenverschleiss deluxe
🥉 3. Rang - Faial - die Überraschung
Kommt ruppig, bleibt eindrucksvoll. Von Mondlandschaft bis Segler-Hotspot.
Pro: Kontraste und Seglerflair
Contra: Die Caldeira versteckt sich gerne im Nebel
4. Rang - São Miguel - Azoren-All-in-One
Hier ist alles drin: Vulkane, Seen, Thermalbäder, Teeplantagen - und Menschen. Viele Menschen
Pro: Abwechslungsreich. Azoren kompakt.
Contra: Ruhe muss man suchen
5. Rang - Terceira - charmant, aber zahm
Hübsch, vulkanisch unter der Oberfläche, entspannt darüber.
Pro: Angra do Heroismo, Lavahöhlen
Contra: ä chli langwiilig, zumindest was d'Natur betrifft
Fazit:
Die Azoren sind kein Reiseziel, sie sind ein Abenteuer. Wild, wechselhaft und mega schön - uns hats super gefallen! Auch wenn unser Herz am lautesten für Flores schlägt, haben wir am Ende doch von jeder Insel eine schöne Erinnerung ins Gepäck geschmuggelt.